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Timo Maus

Interviewer @ MeinBeruf

RisikoController

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Durschnittlich

Vollzeit

Arbeitszeit

Üblich

Mittel

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im vergleich

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Reisevolumen

Durschnittlich

Financial Services

Brache

Nach Verzeichnis

Legal, Compliance & Risk

Bereich

Unternhemensbreich

Studium

Bildungsweg

Typisch

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Familienfreundlich

Durschnittlich

Kernaufgaben

Für den Risikocontroller einer Bank stehen zwei zentrale Aufgaben im Vordergrund: die interne Berichterstattung und die aufsichtsrechtliche Meldung. Die interne Berichterstattung erfolgt in Form von anlassbezogenen, monatlichen oder quartalsweisen Berichten, die der Geschäftsleitung einen fundierten Überblick über die aktuelle Risikosituation geben. Dabei werden unter anderem zentrale Kennzahlen wie Exposure at Default (EAD), Loss Given Default (LGD) und die erwartete Ausfallwahrscheinlichkeit Probability of Default (PD) analysiert. Diese Kennzahlen sind essenziell für die Bewertung des Kreditrisikos und dienen als Grundlage für strategische Entscheidungen. Parallel zur internen Berichterstattung erfolgt die externe Meldung an die zuständigen Aufsichtsbehörden. Diese ist stark durch internationale und nationale Regularien geprägt. Zu den wichtigsten zählen die Basel-III-Richtlinien, die Anforderungen an Eigenkapitalunterlegung und Liquiditätsreserven definieren, sowie die Capital Requirements Regulation (CRR) und die Capital Requirements Directive (CRD IV). Ergänzt werden diese durch nationale Vorgaben wie die MaRisk (Mindestanforderungen an das Risikomanagement). Besonders relevant ist die Bewertung von Adressausfallrisiken, also der Gefahr, dass ein Kreditnehmer oder Vertragspartner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt wegen Insolvenz. Hierbei kommen sowohl interne Ratingsysteme als auch externe Bewertungen zum Einsatz, die die Bonität messen. Die daraus abgeleiteten Ausfallwahrscheinlichkeiten fließen direkt in die Berechnung der Risikokennzahlen ein und beeinflussen die Kapitalanforderungen der Bank.

Ein typischer Arbeitstag

Die Arbeit beginnt meist mit dem Abgleich aktueller Kennzahlen, dem Einlesen neuer Daten aus internen Systemen und der Vorbereitung von Reports. Excel ist dabei nach wie vor ein zentrales Werkzeug, doch in vielen Banken kommen zusätzlich Datenbankabfragen über SQL, statistische Auswertungen mit R oder Python sowie Visualisierungen mit Tools wie Power BI oder Tableau zum Einsatz. Die Fähigkeit, große Datenmengen zu strukturieren, zu filtern und auf Relevanz zu prüfen, ist essenziell.

Neben der reinen Analyse gehören auch Plausibilitätsprüfungen zum Tagesgeschäft. Wenn Kennzahlen von den Erwartungen abweichen oder sich auffällige Muster zeigen, wird dies in Abstimmungen mit anderen Fachbereichen geklärt. Dabei geht es nicht nur um technische Fehler, sondern auch um die Interpretation wirtschaftlicher Entwicklungen. Meetings finden regelmäßig statt, insbesondere in agilen Projektstrukturen, in denen tägliche Stand-ups, Sprint-Planungen und Retrospektiven üblich sind. Die Kommunikation ist oft interdisziplinär, da das Risikocontrolling eng mit IT, Finance und Marktbereichen zusammenarbeitet. Ein typischer Arbeitstag ist daher nicht nur analytisch, sondern auch kommunikativ und strategisch geprägt.

Kollegen, Arbeitsplatz & Abteilungskultur

Die Tätigkeit im Risikocontrolling findet im klassischen Backoffice statt, also ohne direkten Kundenkontakt. Dennoch ist der Austausch mit anderen Abteilungen intensiv und vielfältig. Besonders häufig erfolgt die Abstimmung mit der IT sowie mit Fachbereichen wie Treasury oder Finance. In regelmäßigen Abständen finden auch Prüfungen durch die interne Revision oder externe Prüfer statt. Die Kolleginnen und Kollegen haben meist einen wirtschaftswissenschaftlichen oder IT-nahen Hintergrund. Viele verfügen über ein Studium in BWL, VWL oder Wirtschaftsinformatik, ergänzt durch praktische Erfahrung im Bankenumfeld.

Die Arbeitskultur hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Während früher formelle Kleidung und hierarchische Strukturen dominierten, ist heute eine offene, agile Kultur verbreitet. Die Duz-Kultur ist Standard, ebenso wie flexible Arbeitszeiten und Homeoffice-Möglichkeiten. In vielen Teams wird nach Scrum gearbeitet, wobei Fachvorgaben für IT-Systeme in sogenannten User Stories formuliert werden. Das Verständnis für Agile Methoden ist dabei entscheidend, denn die Schnittstelle zwischen Fachlichkeit und Technik ist im Risikocontrolling besonders ausgeprägt. Wer hier arbeitet, muss nicht nur Zahlen verstehen, sondern auch wissen, wie diese in Systemen verarbeitet und dargestellt werden.

Bereiche und Abteilungen

Das Risikocontrolling ist eine zentrale Backoffice-Funktion mit vielfältigen Schnittstellen zu anderen Bereichen der Bank. Besonders eng ist die Zusammenarbeit mit Finance, etwa bei der Bilanzierung von Risiken oder der Kapitalplanung. Auch die IT spielt eine wichtige Rolle, da viele Prozesse automatisiert und systemgestützt ablaufen. Die Marktbereiche – also Vertrieb, Kundenbetreuung und Produktentwicklung – sind ebenfalls wichtige Ansprechpartner, insbesondere wenn es um die Bewertung neuer Produkte oder die Einbuchung komplexer Geschäfte geht.

Ein Beispiel hierfür ist die regulatorische Bewertung eines neuen Derivats: Das Risikocontrolling prüft, wie sich das Produkt auf die Risikoposition der Bank auswirkt, welche Eigenkapitalanforderungen entstehen und ob die Daten korrekt in den Systemen abgebildet werden. Diese Informationen sind nicht nur für die Aufsicht relevant, sondern auch für das Pricing, also die Preisgestaltung des Produkts. Besonders wichtig ist dabei die enge Abstimmung mit dem Treasury, das für die Steuerung von Liquidität und Kapital verantwortlich ist. So trägt das Risikocontrolling indirekt zur Wettbewerbsfähigkeit der Bank bei, indem es Risiken transparent macht und steuerbar hält.

Karrieremöglichkeiten

Der Einstieg ins Risikocontrolling erfolgt meist über ein wirtschafts- oder IT-nahes Studium. Eine klassische Bankausbildung reicht heute oft nicht mehr aus, kann aber durch ein berufsbegleitendes Studium ergänzt werden. Viele Banken bieten strukturierte Programme oder Direkteinstiege für Absolventen an, bei denen die Grundlagen des Risikomanagements vermittelt und erste praktische Erfahrungen gesammelt werden.

Die Karriereentwicklung verläuft typischerweise vom Sachbearbeiter zum Referenten. Referenten übernehmen Verantwortung für spezifische Themenbereiche, etwa Adressausfallrisiken, Liquiditätssteuerung oder regulatorisches Reporting. Sie sind Ansprechpartner für interne und externe Stakeholder und koordinieren oft auch Projekte zur Weiterentwicklung von Systemen und Prozessen. Perspektivisch sind auch Teamleitungen oder Bereichsverantwortungen möglich. Möglich sind auch cross-funktionale Wechsel, etwa in Richtung Compliance, Projektmanagement oder Finance. Auch der Wechsel in die Berater-Branche ist möglich. Wer sich frühzeitig in Projekten engagiert und regulatorische Expertise mit Kommunikationsstärke verbindet, hat gute Chancen auf eine dynamische Karriere.

Kriesensicherheit

Das Risikomanagement gilt als besonders krisensicher, da es regulatorisch vorgeschrieben und systemrelevant ist. In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit – etwa während der Corona-Pandemie oder geopolitischer Spannungen – steigt die Bedeutung des Risikocontrollings deutlich. Banken müssen dann kurzfristig neue Meldungen erstellen, Szenarien durchrechnen und ihre Risikopositionen neu bewerten. Die Fähigkeit, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren, ist daher zentral.

Auch langfristig sorgt die zunehmende Komplexität der regulatorischen Anforderungen für Stabilität. Neue Regelwerke wie Basel IV, ESG-Risiken oder die Digitalisierung der Aufsicht (Stichwort: SupTech) führen zu einem kontinuierlichen Anpassungsbedarf. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie sich Technologien wie Künstliche Intelligenz und Automatisierung auf die Aufgaben im Risikocontrolling auswirken werden. Erste Anwendungen zur automatisierten Datenanalyse und Risikobewertung existieren bereits, doch die finale Verantwortung bleibt beim Menschen. Die Kombination aus technischer Innovation und regulatorischer Kontrolle macht das Risikocontrolling zu einem zukunftssicheren Berufsfeld.

Familie und Karriere

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist im Risikocontrolling grundsätzlich gut möglich. Zwar gibt es projektbezogene Spitzenzeiten, etwa nach Quartalsenden oder bei regulatorischen Deadlines, doch diese sind planbar und werden durch ruhigere Phasen ausgeglichen. Viele Banken bieten flexible Arbeitszeitmodelle, Teilzeitoptionen und mindestens 50 Prozent Homeoffice an. In datengetriebenen Bereichen wie dem Risikocontrolling ist die Präsenz im Büro oft nicht zwingend erforderlich, sodass sich die Arbeit gut mit privaten Verpflichtungen vereinbaren lässt.

Einige Banken gehen sogar noch weiter und reduzieren die Zahl der festen Büroarbeitsplätze zugunsten von Shared-Desk-Modellen. Dies ist Ausdruck eines kulturellen Wandels hin zu mehr Eigenverantwortung, Flexibilität und Vertrauen. Wer strukturiert arbeitet und gut kommuniziert, kann im Risikocontrolling eine anspruchsvolle Tätigkeit mit hoher Vereinbarkeit ausüben.

Besonderheiten der Branche

Die Bankbranche ist im Backoffice stark daten- und IT-affin. Ein ehemaliger Vorstand einer deutschen Bank bezeichnete Banken nicht ohne Grund als IT-Unternehmen mit Banklizenz. Im Risikocontrolling zeigt sich das besonders deutlich: Hier dominieren Datenanalysen, Businesslogik und Risikomanagement sowie komplexe regulatorische Anforderungen. Der Beruf ist abstrakt, fern vom Kundenkontakt und geprägt von technischen Konzepten, Fachvorgaben für IT-Systeme und komplexen regulatorischen Zusammenhängen.

Viele unterschätzen diesen datengetriebenen Charakter, wenn sie an Banken denken. Wer sich für Wirtschaft, IT und Struktur interessiert, findet hier jedoch ein spannendes und anspruchsvolles Umfeld. Die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen, präzise zu kommunizieren und regulatorische Anforderungen in technische Prozesse zu übersetzen, ist entscheidend. Das Risikocontrolling ist damit nicht nur ein analytischer, sondern auch ein strategischer Beruf – mit hoher Relevanz für die Stabilität und Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche.

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